Er war die Institution schlechthin im Rainer Tischtennis: Vor 30 Jahren, am 24. Oktober 1996, starb im Alter von nur 59 Jahren Konrad "Conny" Petrich. Was er für den TSV geleistet hat, lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen - ohne sein jahrzehntelanges Engagement als Jugendleiter (1969 - 1993) und auch als Abteilungsleiter (1977 - 1987) hätte der Tischtennis-Sport in Rain gewiss nie die Entwicklung genommen zu einem der renommiertesten Vereine der Region. Von seiner Arbeit zehrt der TSV bis heute. "Er war der Glücksgriff schlechthin für die Abteilung", urteilt der erste Spartenleiter der Abteilung nach der Gründung (1967 - 1977), Heinz Scherer, im Rückblick.

Rains Tischtennis-Legende Konrad Petrich (1937 - 1996)Die Geschichte, wie Conny überhaupt zum Tischtennis kam, ist so einzigartig und aus heutiger Sicht unvorstellbar zugleich, dass sie einfach noch einmal erzählt werden muss. In der Saison 1968/69 hatte die junge Sparte in ihrem zweiten Jahr im Spielbetrieb zum ersten Mal auch eine Jugendmannschaft angemeldet. Die Nachwuchsspieler warteten eines Samstagmorgens vor dem legendären Café Einmeier in der Rainer Hauptstraße auf ihren Betreuer bei einem Auswärtsspiel, doch der kam nicht. Auf die vier Jungs mit Sporttaschen wurde ein Frühstücksgast im Café aufmerksam - Conny Petrich, der einfach mal nachfragte, was da los war, kurzentschlossen seinen Café austrank, seine Zigarette ausdrückte, die vier Jungs in sein Auto packte und zum Spiel nach Bäumenheim fuhr. Der Anfang einer unglaublichen Erfolgsgeschichte: Conny fand Gefallen an dem Sport, mit dem er bis dato rein gar nichts zu tun gehabt hatte, und schon ein halbes Jahr später war er als Jugendleiter in Amt und Würden und kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt mit nimmermüdem Engagement um den Tischtennis-Nachwuchs in Rain.

Schwäbischer Pokalsieger 1981 TSV Rain: Peter Drabek, Achim Dafler, Thomas Drabek und Manfred MetschlAls Autodidakt brachte er sich zunächst die Grundlagen des Sports weitgehend selbst bei, ehe er Jahre später den Übungsleiter-Schein erwarb. Erfolge motivieren, und diese blieben über die Jahre hinweg nicht aus: Seit 1975 spielte die erste Jugendmannschaft des TSV Rain kontinuierlich in der damals höchsten Nachwuchsliga, der Schwabenliga I; 1981 feierte er mit dem schwäbischen Pokalsieg den ersten überregionalen Nachwuchstitel, 1984 und 1985 wurden seine Jungs zweimal in Folge schwäbischer Mannschaftsmeister und 1990 erreichten sie schließlich als eines der Gründungsteams die Qualifikation für die neu geschaffene Jugend-Bayernliga, in der der TSV anschließend bis 1996 kontinuierlich vertreten war. Diverse Turniererfolge von Rainer Nachwuchsspielern, insbesondere von Achim Dafler, Peter Drabek, Gerhard Wittmeier, Klaus Diepold und Stefan Roßmann, die wiederholt auf bayerischer Ebene mitmischten, rundeten diese Bilanz ab.

Schwäbischer Meister 1984 TSV Rain: Harald Koch, Hubert Wintermayr, Winfried Bucher, Gerhard Wittmeier und Gerd BöttcherWie viele tausend Stunden Trainings- und Betreuungsarbeit, wie viele tausend Kilometer Fahrten kreuz und quer durch Schwaben und ganz Bayern hinter dieser beeindruckenden sportlichen Erfolgsserie steckten, lässt sich nicht ansatzweise nachrechnen - Conny rechnete das auch nie vor, weder in geleisteten Stunden noch in dafür aufgewendeten Geldsummen. Ihn freute es, wenn "seine Jungs" sich gegen den Nachwuchs etablierter Traditionsvereine erfolgreich behaupteten, ob sie nun VSC Donauwörth, Post SV Augsburg, TSV Durach oder später FC Bayern München hießen. Sein Name ist auch nach drei Jahrzehnten in der schwäbischen Tischtennis-Szene unvergessen und nach wie vor präsent - man sieht ihn immer noch während eines Spiels, nervös an seiner Packung Lord-Zigaretten nestelnd, im Türrahmen einer Sporthalle stehen, wie er mit hektischen Handbewegungen seine Spieler dazu auffordert, sich zu bewegen oder dem Gegner auf die Rückhand zu spielen, hört ihn in der Satzpause seinem Schützling den Tipp geben: "Du musst Treibbälle spielen!" und hat seine Ansprachen vor Spielbeginn im Ohr mit dem immer wiederkehrenden Mantra: "Die kochen alle nur mit Wasser!"

Jugend-Bayernliga 1992/93 TSV Rain: Stefan Spreng, Stefan Roßmann, Rainer Schenk, Uli Mändle




