2016 12 01 09 29 28 Abteilungsleitung Schreibgeschützt Kompatibilitätsmodus Word

Chronik der Abteilung Tischtennis

Josef Fischer, Josef Hoffmann, Leonhard Hoffmann, Helmut Knill, Heinrich Meisinger, Werner Nürnberger und Heinz Scherer – sieben Tischtennis-Interessierte waren es, die sich im Januar 1967 im Gasthaus Schmelcher trafen und dieser Sportart in Rain den Weg aus den Kellern und Dachböden in die Sporthallen und damit in den organisierten Wettspielbetrieb ebneten.

Schon in der Saison 1967/68 kämpfte die Tischtennis-Abteilung des TSV Rain mit einer Herrenmannschaft in der Kreisklasse Nordschwaben um Punkte (mit dabei schon damals war Albin Würmseher – mittlerweile 84 Jahre alt, betreibt er den Tischtennis-Sport auch heute noch aktiv); ein Jahr später waren es dann bereits zwei Herren- und eine Jugendmannschaft. Sportlich dümpelte der Verein in den ersten Jahren seines Bestehens auf bescheidenem Niveau: Zum einen taten sich Spieler, die als Erwachsene erstmals ins Wettkampfgeschehen eingriffen, naturgemäß schwerer als solche, die den Sport von klein auf gelernt hatten. Die TSV-Akteure der ersten Stunde waren „Autodidakten“, die Schlagtechniken und taktisches Verhalten im Spiel nicht von erfahrenen, ausgebildeten Trainern beigebracht bekamen. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Handicap waren die unzulänglichen Spiellokale: Die alte Städtische Turnhalle war zu dieser Zeit bereits in einem sehr schlechten baulichen Zustand und wurde wenige Jahre später dann auch abgerissen. Ausweichorte wie der Saal des Gasthofs Bäuml, das Dehner-Spar-Lager oder der Saal des Gasthofs Lutz waren ebenfalls  nur Übergangslösungen.

Nachhaltig besser wurde es erst, nachdem 1971 die Grundschulturnhalle fertiggestellt war, zu deren Einweihung die Abteilung im Rahmen der 75-Jahr-Feier des TSV ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden damals hochklassigsten Teams der Region organisierte: Das Match zwischen dem Bundesligisten Post-SV Augsburg und dem Oberligisten VSC Donauwörth lockte nicht weniger als 200 Zuschauer an!

Ein erster sportlicher Erfolg stellte sich gleich in der Saison 1971/72 ein: Der seit 1969 amtierende Jugendleiter Konrad Petrich, der bis dahin zwar ebenfalls ohne Tischtennis-Erfahrung war, dieses Manko aber durch enormes Engagement und große Motivation wettmachte, hievte „seine Jungs“ erstmals aus der Kreisliga in die Schwabenliga. Auch wenn die Luft auf Bezirksebene ziemlich dünn war und der TSV-Nachwuchs im Handumdrehen wieder absteigen musste: Der Bann war gebrochen, die Abteilung hatte „Blut geleckt“ und Spaß an höheren Aufgaben bekommen.

Um das zu bewerkstelligen, mussten jedoch Impulse von außen her. Heinz Scherer, seit der Gründung Abteilungsleiter, und seinen Mitstreitern gelang vor der Saison 1973/74 eine Verpflichtung, deren nachhaltiger Erfolg kaum hoch genug einzuschätzen ist: Sie lotsten mit Heinz Büttner einen langjährigen Oberliga-Spieler des VSC Donauwörth, der zu dieser Zeit auch schon als Lehrwart des Bayerischen Tischtennis-Verbandes (BTTV) fungierte, an den Lech. Als Spielertrainer brachte er die TSV-Teams in kürzester Zeit voran: Schon in seiner Debütsaison stieg die Erste erstmals aus der 1. Kreisliga in die Schwabenliga III auf, die Zweite zog aus der 2. in die 1. Kreisliga nach und auch der Jugend gelang der Aufstieg in die Schwabenliga II.

Erfolg zieht an: Weitere Neuzugänge halfen 1974/75 mit, dass der Schwabenliga III-Aufsteiger sofort wieder einen Meistertitel bejubeln durfte. Damit nicht genug: Die Zweite schaffte parallel das gleiche Kunststück in der Kreisliga I, und die Jugend erwarb durch den zweiten Platz in der Schwabenliga II die Aufstiegsberechtigung in die damals höchste Nachwuchsliga, die Schwabenliga I.

In den Folgejahren konsolidierte sich die Abteilung – seit 1977 unter der Führung von Konrad Petrich, der neben der Jugend- auch die Abteilungsleitung übernahm – auf dem nun erreichten höheren Niveau. Zwar zog die Erste 1978 nach einigen internen Turbulenzen freiwillig in die Schwabenliga III zurück, doch schon 1981 war dieser „Betriebsunfall“ repariert und nicht zuletzt dank zahlreicher nachgerückter junger Talente der Wiederaufstieg in die Schwabenliga II geschafft. Die exzellente Jugendarbeit von Konrad Petrich trug auch bei den Nachwuchsmannschaften Früchte – die einmal erreichte Jugend-Schwabenliga I wurde in den folgenden 15 Jahren stets gehalten, obwohl altersbedingt die Aufstellungen mehrfach komplett erneuert werden mussten. Erfolge wie der schwäbische Pokalsieg 1981 und die schwäbischen Meistertitel 1984 und 1985 waren sichtbarer Lohn dieser Mühen.

Ebenso wichtig und nachhaltig: Die Basis der Abteilung verbreiterte sich immer weiter. Mitte der 80er Jahre war der TSV Rain mit sechs Herren-, zeitweise einer Damen- und vier Jungenmannschaften zu einem der größten Vereine Nordschwabens angewachsen. Die 2. Herrenmannschaft kam leistungsmäßig immer näher an die Erste heran und schaffte es nach dem Meistertitel in der Schwabenliga III 1986 sogar, ebenfalls in der Schwabenliga II anzutreten.

Konkurrenz belebt das Geschäft: Die Saison 1986/87 endete für den TSV Rain mit dem bis dato größten sportlichen Erfolg. Die Erste stieg zum ersten Mal überhaupt in die höchste Liga des Bezirks, die Schwabenliga I auf, weitere Meistertitel für die Vierte, die Fünfte, die zweite und die dritte Jugend kamen dazu, sodass das 20jährige Abteilungsjubiläum richtig gefeiert werden konnte. Die im Vorjahr fertiggestellte Dreifachturnhalle bot den perfekten Rahmen dafür: Mit den Bayerischen Sparkassenmeisterschaften, einem Schaukampf u. a. mit Jörg Roßkopf und Helmut Grob sowie einem Jubiläumsturnier veranstaltete die Tischtennis-Abteilung binnen weniger Wochen gleich drei große Events.

Der gerade einmal 25jährige Dieter Wittke übernahm danach die Abteilungsleitung – und das gleich für die nächsten 15 Jahre; Konrad Petrich blieb dem Rainer Tischtennis aber als Jugendleiter nach wie vor erhalten. Die Langzeitwirkung seines Engagements wurde in dieser Ära so richtig spürbar: Die Erste musste zwar die Schwabenliga I, später in Bezirksoberliga und dann in 1. Bezirksliga umbenannt, zwar zweimal wieder verlassen (1988 nach Spielerabgängen freiwillig, 1995 sportlich), gehörte aber stets zur Spitzengruppe der 2. Bezirksliga und feierte dort 1994 und 1998 zwei weitere Meistertitel. Die Zweite wurde ebenfalls zu einem festen Bestandteil der 2. Bezirksliga, und jahrelang kämpfte auch die Dritte in der 3. Bezirksliga über Kreisniveau um Punkte. Petrichs „Aushängeschild“ – die Jugendmannschaft – schließlich qualifizierte sich 1990 als Gründungsmitglied für die neu eingeführte Bayernliga Süd, ab nun höchste Nachwuchs-Spielklasse, und hielt sich auf diesem Niveau auch unter dem seit 1993 amtierenden neuen Jugendleiter Winfried Bucher sechs lange Jahre. Garniert wurden diese erfolgreichen Jahre mit sportlichen Highlights wie dem zweiten Platz bei den Bayerischen Mini-Meisterschaften 1990 für Stefan Roßmann oder dem Gewinn des schwäbischen Pokals der 1. Jugend 1993. Bleibend in Erinnerung blieb auch das „Fernsehspiel“ des TSV gegen Dinkelscherben 1988 – damals war dieses Punktspiel der Schwabenliga I im Rahmen der Serie „Der kleine Hit“ vom Bayerischen Fernsehen aufgezeichnet und in Ausschnitten in der Sendung „Blickpunkt Sport“ übertragen worden.

Einige Großveranstaltungen stemmte die zu ansehnlicher Größe angewachsene Abteilung in diesen Jahren: So betrieb sie viele Jahre einen Stand am Stadtfest und machte sich mit der angebotenen Spezialität „Kräutersau vom Grill“ bald einen guten Namen. 1992 führte sie zum 25jährigen Abteilungsbestehen erneut einen Schaukampf mit Tischtennis-Stars und ein Jubiläumsturnier durch, 1995 standen die Kreismeisterschaften der Erwachsenen und ein Junioren-Wettkampf zwischen Bayern und Tschechien auf dem Programm. 1996 schließlich der Höhepunkt, passend zum 100jährigen Gründungsjubiläum des Hauptvereins: In Rain fanden die Süddeutschen Meisterschaften der Damen und Herren statt, die Abteilung erhielt für die hervorragende Ausrichtung Lob von vielen Seiten. Ein Jahr später wurde die Abteilung 30 Jahre alt und beging dieses Jubiläum mit einem Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft von Sri Lanka sowie einem erneuten Jubiläumsturnier mit befreundeten Vereinen der Umgebung. Die Stimmung war jedoch gedämpft: Mit Konrad Petrich und dem stellvertretenden Abteilungsleiter Peter Drabek waren innerhalb von drei Monaten zwei wichtige Säulen der Abteilung verstorben und ließen auch menschlich riesige Lücken zurück.

In Erinnerung an Konrad Petrich führte die Abteilung ab 1998 fünf Auflagen eines bayernoffenen Turniers für Jugendliche durch, das nach 2002 aufgrund rückläufiger Teilnehmerzahlen wieder eingestellt wurde. Die Anzahl der aktiven Jugendlichen in der Abteilung stieg jedoch rapide an: Bis zu sieben Nachwuchsmannschaften, darunter auch erstmals seit über 15 Jahren wieder Mädchenteams, waren unter Jugendleiter Wolfgang Römer, der dieses Amt 1997 bis 2004 bekleidete, im Einsatz. Bei dieser Menge an Nachwuchsspielern blieben auch die Erfolge nicht aus: Die 1. Mädchen und die 1. Jungen stiegen bis 2001 in die Bezirksoberliga auf, der männliche Nachwuchs setzte 2003 noch den schwäbischen Pokalsieg und 2004 den Wiederaufstieg in die Bayernliga Süd drauf. Mehr als eine Saison auf dieser Ebene war aber nicht drin, da die altersbedingt ausscheidenden Spieler nicht adäquat zu ersetzen waren.

Bayernliga – ein Gütesiegel, das das Herrenteam ebenfalls erreichte. Im Dreijahresrhythmus ging es nach oben: Durch den zweiten Platz in der Bezirksoberliga ergab sich 2001 als „Nachrücker“ die Gelegenheit zum Aufstieg in die Landesliga Südwest; 2004 – inzwischen mit den ehemaligen Zweitligaspielern Florian Kaindl und Gerd Seefried im Team – folgte der Meistertitel in dieser Spielklasse und damit der erstmalige Aufstieg in die Bayernliga Süd, inzwischen unter Abteilungsleiter Harald Koch. In diesem Sog gelangen auch der Zweiten nie zuvor erlebte Höhenflüge. Sie stieg ebenfalls 2004 erstmals in die 1. Bezirksliga auf und toppte diesen Erfolg 2008 mit dem Meistertitel in Schwabens höchster Spielklasse, womit sie in der Saison 2008/09 sogar in der Landesliga antreten durfte. Das war aber doch etwas zu hoch für die TSV-Reserve, die postwendend wieder abstieg.

Abteilungsleiter war seit 2006 Walter Lang, in dessen vierjähriger Amtszeit die Erste dreimal ans Tor der Oberliga anklopfte, dieses Ziel aber mit zwei zweiten und einem dritten Platz jeweils knapp verpasste. Dennoch heimste der Verein unter seiner Ägide die sportlich wertvollsten Titel ein: 2007 und 2009 sicherten sich die Senioren der Altersklasse I jeweils den süddeutschen Mannschaftstitel. Für die Saison 2009/10 war dann der ganz große Schritt nach vorne fest eingeplant: Mit dem Slowaken Vladimir Poliacek verpflichtete der TSV erstmals in der Vereinsgeschichte einen ausländischen Spitzenspieler und wollte damit den Aufstieg in die Oberliga endlich bewerkstelligen.

Doch der Schuss ging nach hinten los: Nach dem kurzfristigen Verlust eines Stammspielers und Sponsors konnte das Engagement Poliaceks nicht finanziert werden – der Slowake bestritt somit kein einziges Spiel für den TSV Rain. In der Folge verließ nach einer mittelprächtig verlaufenen Saison 2009/10 ein weiterer wichtiger Spieler den Verein. Dieser Verlust war sportlich nicht mehr zu kompensieren: 2011 – inzwischen hatte Wolfgang Römer die Abteilungsleitung übernommen – stieg die Erste nach sieben meist erfolgreichen Jahren aus der Bayernliga ab. Dies hatte erneut geringere Sponsorengelder und damit zusätzliche Abwanderungen von Spielern zur Folge. 2011/12 versuchte man es dennoch, inzwischen wieder überwiegend mit Eigengewächsen, in der Landesliga Südwest, verpasste den Klassenerhalt aber knapp. Um sich zu konsolidieren, beschloss die Abteilung anschließend gleich den freiwilligen Rückzug in die 2. Bezirksliga. Auch die Zweite litt unter dem Aderlass: Die 1. Bezirksliga war schon 2011 nicht mehr zu halten gewesen, ein Jahr später stieg die Mannschaft dann auch aus der 2. Bezirksliga ab und wurde in die 1.Kreisliga zurückgezogen.

Das geringer werdende Spielerpotential wirkte sich auch auf die Anzahl der Mannschaften aus. Ab 2012 konnten nur noch drei Herren- und schon zuvor meist nur zwei Jugendmannschaften für den Spielbetrieb gemeldet werden. Mangelndes Engagement insbesondere im Nachwuchsbereich war sicher nicht der Grund dafür, denn auch die Jugendleiter Alexander Graßer, Mathias Häusler und seit 2010 Josef Emunds investierten viel Zeit und Arbeit und kümmerten sich um qualifizierte Trainer. Immerhin durfte sich Emunds 2015 nach zehn Jahren auf Kreisebene über den Wiederaufstieg der 1. Jungen in die 2. Bezirksliga freuen – eine Spielklasse, in der sich der TSV-Nachwuchs in der gerade beendeten Saison 2015/16 aber nicht halten konnte.

Gleichzeitig ging es für die 1. Herren noch einmal um eine Liga nach unten: Weitere Rückzüge und Abgänge sorgten dafür, dass der TSV seit 2015/16 nur noch in der 3. Bezirksliga um Punkte kämpft. Und während der laufenden Spielzeit war man sogar gezwungen, die 3. Mannschaft vom Punktspielbetrieb abzumelden. Keine leichte Zeit also für die Tischtennis-Abteilung, bei der die Spartenleitung ein Jahr vor dem 50jährigen Gründungsjubiläum an Albert Koroschetz übergegangen ist, der ganz realistisch und nüchtern urteilt, dass die Talsohle wahrscheinlich noch nicht erreicht ist. Aber er und sein Mitarbeiterteam arbeiten daran, dass der Tischtennis-Sport in Rain auch über das halbe Jahrhundert hinaus mit Freude und Erfolg betrieben werden kann.

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